Dr. Louis Hagen
"(...) die Gesetzgeber (sollten) den europäischen Bankenmarkt stärken und eine Verteuerung des Kreditgeschäfts (...) abwenden."

Interview

5 Fragen an Dr. Louis Hagen, Präsident des vdp und Vorsitzender des Vorstands, Münchener Hypothekenbank

Februar 2020

Christian Walburg

Christian Walburg

Verband deutscher Pfandbriefbanken

Wie bewerten Sie im Rückblick das 250-jährige Pfandbrief-Jubiläum?

Dr. Louis Hagen

Dr. Louis Hagen

Münchener Hypothekenbank eG

Ich habe mich sehr gefreut über die positive Resonanz, insbesondere den großen Rückhalt, den unser Traditionsprodukt in Politik und Aufsicht erfährt, aber auch die Aufmerksamkeit in der breiten Öffentlichkeit. Es dürfte allerdings ganz gewiss im Sinne des Vaters des Pfandbriefs sein, dass wir uns nun wieder voll und ganz den Sachthemen zuwenden. Schließlich liegt es an uns, dem großen Vertrauen, das alle Anspruchsgruppen in den Pfandbrief und seine weitere Entwicklung setzen, gerecht zu werden und es – bildlich gesprochen – zu verzinsen. Das ist der Anspruch aller Mitglieder unseres Verbandes und das treibt auch mich an. Damit legen wir die Grundlagen für das nächste runde Jubiläum, das im Jahr 2069 unsere Kindeskinder feiern werden.

Christian Walburg

Christian Walburg

Verband deutscher Pfandbriefbanken

In welche Richtung entwickelt sich der deutsche Immobilienmarkt aus Ihrer Sicht?

Dr. Louis Hagen

Dr. Louis Hagen

Münchener Hypothekenbank eG

Im dritten Quartal 2019 haben wir beim vdp-Immobilienpreisindex eine Zunahme der Immobilienpreise gegenüber dem Vorjahr in Höhe von 5,9% gesehen. Auch für das Gesamtjahr 2019 erwarte ich für den Immobilienmarkt in Deutschland einen Preisauftrieb von knapp 6%. Die Preise steigen also weiter, nur nicht mehr so rasant wie vor zwei bis drei Jahren (Anm. der Redaktion: +8,0% 2018; +6,8% 2017, 6,4% 2016). Wir beobachten über alle regionalen Märkte und Segmente hinweg weiterhin einen Nachfrageüberhang am deutschen Immobilienmarkt. Reallohnzuwachs und Zuzug in den Metropolregionen, in denen die Preissteigerungen besonders ausgeprägt sind, sind Treiber dieser Dynamik.

Die risikoorientierte Kreditvergabe der Emittenten und die langfristige Refinanzierung über Pfandbriefe sind zusätzliche Stabilitätsanker für den Immobilienmarkt hierzulande. Denn die bewährten Sicherheitsmerkmale des Pfandbriefs – die konservative Beleihungswertermittlung und die 60-prozentige Beleihungsgrenze für Pfandbrief-Deckungswerte – schützen Anleger weitgehend vor Immobilienpreisschwankungen und potenziellen Wertverlusten der Deckungsmassen. Bisher können wir keine Anzeichen für eine etwaige Blasenbildung am deutschen Immobilienmarkt erkennen.

Christian Walburg

Christian Walburg

Verband deutscher Pfandbriefbanken

Was erwarten Sie bei der anstehenden Umsetzung des Harmonisierungspakets mit Blick auf das Pfandbriefgesetz?

Dr. Louis Hagen

Dr. Louis Hagen

Münchener Hypothekenbank eG

Die Vorarbeiten des Bundesfinanzministeriums zur kommenden Novelle sind in vollem Gang. Die vom Gesetzgeber vorgeschriebene Umsetzungsfrist läuft seit ein paar Wochen und dauert noch bis zur Mitte des nächsten Jahres. Ich rechne diesen Sommer mit der Veröffentlichung des Referentenentwurfs.

Darin bilden die aus dem Harmonisierungspaket resultierenden Anpassungen des Pfandbriefgesetzes einen Schwerpunkt. Neben technischen Anpassungen im Bereich Derivate und Liquiditätsmanagement sollte auch die Frage einer möglichen Fälligkeitsverschiebung von Pfandbriefen sowie eine Regelung zur Gebäudeversicherung in dem Entwurf enthalten sein. Langfristig stellt sich außerdem die Frage, ob wir in Deutschland weitere Deckungsgattungen zulassen wollen, und wenn ja, ob diese im Pfandbriefgesetz oder in einem getrennten Gesetz für gedeckte Schuldverschreibungen geregelt werden sollen.

Christian Walburg

Christian Walburg

Verband deutscher Pfandbriefbanken

Welche Rolle spielt die EZB für die Entwicklung am Pfandbriefmarkt 2020?

Dr. Louis Hagen

Dr. Louis Hagen

Münchener Hypothekenbank eG

Für das im vergangenen November wieder aufgenommene dritte Ankaufprogramm CBPP3 erwarten wir Netto-Käufe in Höhe von etwa 20 bis 24 Mrd. Euro pro Jahr. Brutto, das heißt inklusive der Reinvestitionen aus dem CBPP-Portfolio, werden es dieses Jahr etwa 55 Mrd. Euro sein. Damit verdoppelt sich die Nachfrage der Zentralbank im Vergleich zum Vorjahr. Die seit Jahren schon verzerrten Renditen im Covered-Bond-Markt haben sich bereits seit Herbst vergangenen Jahres abermals verfestigt und das Marktumfeld droht auf Jahre hinaus von der Zentralbank bestimmt zu werden.

Christian Walburg

Christian Walburg

Verband deutscher Pfandbriefbanken

Wenn Sie als Vorstandsvorsitzender einer großen Pfandbriefbank drei Wünsche frei hätten, wie würden diese aussehen?

Dr. Louis Hagen

Dr. Louis Hagen

Münchener Hypothekenbank eG

Zunächst einmal hoffe ich, dass Basel IV mit Augenmaß umgesetzt wird. Denn sonst droht eine massive Mehrbelastung der deutschen Immobilienfinanzierer. Vielmehr sollten die Gesetzgeber den europäischen Bankenmarkt stärken und eine Verteuerung des Kreditgeschäfts beziehungsweise eine Verschlechterung der Wettbewerbssituation abwenden. Daher plädieren wir für einen alternativen, aber natürlich Basel-konformen Lösungsvorschlag für die Berechnungsformel des sogenannten Output-Floor.

Darüber hinaus würde ich mir wünschen, dass das aktuelle Zinsumfeld und das Thema Digitalisierung eine größere Rolle in der Beleihungswertermittlungsverordnung spielen. Wir halten es für erforderlich, die Mindestkapitalisierungszinssätze moderat abzusenken, um dem langjährigen Niedrigzinsumfeld Rechnung zu tragen. Auf diese Weise werden die Beleihungswerte zumindest wieder etwas den weit davon gelaufenen Marktwerten angenähert und so die Refinanzierung über Pfandbriefe etwas erleichtert. Zudem sollte die Beleihungswertermittlungsverordnung im Massengeschäft für automatisierte Bewertungsverfahren geöffnet werden, die in anderen europäischen Ländern längst gelebte Praxis sind.

Schließlich würde ich mir eine bessere Abstimmung beziehungsweise Koordination der unterschiedlichen Initiativen im Bereich „Sustainable Finance“ wünschen. Denn zurzeit befasst sich eine Vielzahl unterschiedlicher Gremien mit dem Thema und eine Abstimmung findet nur in den seltensten Fällen statt. Dass das nicht zielführend ist, liegt auf der Hand.