Covered Bonds

Der Klimawandel und das Kreditrisiko von Covered Bonds – die Perspektive von Fitch

Sebastian Seitz

Sebastian Seitz

Fitch Ratings

Carmen Munoz

Carmen Munoz

Fitch Ratings

Die Berücksichtigung von Umweltfaktoren könnte sich in Zukunft positiv auswirken – insbesondere, wenn diese die Qualität der Sicherheiten und Kreditnehmer verbessern – und so auch geringere credit-enhancements oder niedrigere Überdeckung von Covered Bonds bewirken. Derzeit differenziert Fitch bei seiner Analyse von „Green“ Covered Bonds und RMBS noch nicht zwischen energieeffizienten und nicht-energieeffizienten Finanzierungen. Vor allem sind derzeit noch keine historischen Daten verfügbar, aus denen sich eine bessere Bonität energieeffizienter Kredite ableiten ließe. In einigen Fällen stellen wir auch fest, dass Finanzierungen, die für „grüne“ Refinanzierung vorgesehen sind, bereits in Deckung genommen und entsprechend in unseren bestehenden Stressannahmen enthalten sind. So ist es derzeit noch schwierig, Anhaltspunkte für spezifische Auswirkungen grüner Emissionen zu finden.

In den Niederlanden gibt es „grüne“ RMBS-Emissionen, bei denen ein Großteil der Deckung aus NHG-Hypotheken besteht – „National Hypotheek Garantie“ ist ein staatliches Programm zur Absicherung von Hypothekarkrediten in den Niederlanden. Hier erwarten wir eine bessere Entwicklung für die Kredite und haben so entsprechend positive „Environmental, Social and Governance Relevance Scores“ (ESG.RS) von ‚4(+)‘ und ‚5(+)‘ in der sozialen Kategorie „Human Rights, Community Relations, Access & Affordability“ vergeben.

Bei der Vergabe von Ratings für US RMBS unternimmt Fitch gemäß den Rating-Kriterien Anpassungen seiner Verlustannahmen, um (Natur-)Katastrophenrisiken abzubilden. Wir haben das Naturkatastrophen CATRADER Modell von AIR Worldwide Corporation ausgewählt, um potenzielle Schäden an Wohnimmobilien für 10.000 verschiedene Katastrophenszenarien für jedes County in den USA zu schätzen. Die Ergebnisse werden verwendet, um die Wahrscheinlichkeiten verschiedener Verlusthöhen durch Naturkatastrophen abzubilden, die wir bei der Projektion von Wertberichtigungen als Abschläge von den aktuellen Immobilienwerten benutzen. Obwohl die meisten US RMBS-Transaktionen eine hohe Diversifikation und geringe lokale Konzentration aufweisen und entsprechend neutral mit ‚3‘ für „Exposure to Environmental Impacts“ bewertet werden, stufen wir Transaktionen mit modellierten Immobilienpreis-Abschlägen zwischen 1,5% und 2% mit ‚4‘ ein und solche über 2% mit ‚5‘.

In unserer erstmaligen Veröffentlichung der ESG.RS für Strukturierte Finanzierungen und Covered Bonds im 4. Quartal 2019 haben wir Governance-Faktoren als Haupttreiber für negative ESG-Einstufungen bei Covered Bond Ratings und Soziale-Faktoren als Haupttreiber für positive Einstufungen identifiziert.

Rund 20% der weltweit von Fitch gerateten Covered Bonds (einschließlich Multi-Issuer Cedulas Hipotecarias-Transaktionen) haben mindestens einen erhöhten ESG.RS von ‚4‘ oder ‚5‘ erhalten. Das bedeutet, dass die ESG.RS nur unter diesen Umständen relevant für die Ratings waren, entweder für sich allein oder in Kombination mit anderen Faktoren. Governance-Faktoren in Südeuropa, primär bei spanischen und portugiesischen Covered Bonds ohne Liquiditätspuffer, waren hierfür maßgeblich und haben den maximalen Uplift, den wir über das Issuer Default Rating (IDR) der Bank hinaus vergeben können, reduziert. Das allein hat einen unmittelbaren Einfluss auf das Rating, trotz des Schutzes durch die Überdeckung. Die erhöhten ESG.RS werden sich wahrscheinlich reduzieren, sobald die EU Covered Bond Richtlinie in nationales Recht umgesetzt wurde, da sie einen verpflichtenden 180-Tage Liquiditätspuffer vorsieht, der die Risiken mitigieren würde, welche derzeit die ESG.RS der betroffenen Transaktionen erhöhen.

Das deutsche Klimapaket

In einer aktuellen Veröffentlichung hat Fitch darauf hingewiesen, dass der deutsche „2030-Klimapakt“ ein Vorbild für die Umweltregulierung anderer Länder werden könnte. Das Paket beinhaltet das erste umfassende Bundesgesetz, das einen Rahmen und verbindliche Branchenziele geschaffen hat sowie das „Klimaschutzprogramm 2030“. Dieses sieht Maßnahmen und Förderprogramme vor, die später Gesetzesform erhalten sollen, um sektorspezifische und regionale Regelungen zu schaffen.

Unter den Bereichen, die dabei herausgestellt wurden, ist das klimafreundlichere „Bauen und Wohnen“ mit einer Mischung aus Anreizen, CO2-Bepreisung und regulatorischen Maßnahmen. Steueranreize sind für energetische Modernisierungen ab Januar 2020 vorgesehen, wie etwa das Ersetzen von Zentralheizungen, den Austausch von Fenstern sowie die Dämmung von Dächern und Fassaden, die seit dem 1. Januar 2020 teilweise steuerlich geltend gemacht werden können. Staatliche Förderprogramme werden außerdem bis zu 40% der Kosten für den Tausch von Ölheizungen gegen effizientere Systeme erstatten.

Umweltfaktoren könnten durchaus einen höheren Einfluss auf Ratings haben, wenn die Ankündigungen umgesetzt werden insbesondere, falls diese Maßnahmen zu geringeren Kreditausfällen führen. Sofern sich die Bereitschaft und Fähigkeit von Kreditnehmern, ihre Darlehen zurückzuzahlen, erhöht, würde dies zu einer Reduzierung der von Fitch unterstellten Stressannahmen führen. Das wiederum könnte zur Folge haben, dass eine positive ESG.RS Einstufung der dagegen begebenen Anleihen vergeben wird.

Die Initiative zur Entwicklung der „energy efficient mortgage“ von European Mortgage Federation – European Covered Bond Council (EMF-ECBC) ist ebenso richtungsweisend. Hier werden für die Eigentümer von Gebäuden Anreize in Form vergünstigter Finanzierung geschaffen, etwa für eine Erhöhung der Energieeffizienz oder gar den Neuerwerb einer energieeffizienten Immobilie. Diese Initiative zählt auf die Unterstützung einer bedeutenden Gruppe von Banken aus der EU, von Hypothekenbanken sowie Datenanbietern mit dem Ziel, die fragmentierten regulatorischen- und Offenlegungsstandards in Europa zu vereinheitlichen sowie die Entwicklung privater Finanzierung von Energieeffizienz zu fördern. Die Energy Efficient Mortgage Initiative (EEMI) besteht dabei aus zwei Parallelprojekten: dem Energy efficient Mortgage Action Plan (EeMAP) und dem Energy Efficient Data Portal & Protocol (EeDaPP).

Der Ansatz von Fitch für ESG

Im Laufe des Jahres 2019 hat Fitch mehr als 143.000 ESG.RS Einstufungen für 10.200 Emittenten und Transaktionen veröffentlicht, darunter die Sektoren Unternehmen, Finanzinstitutionen, Zentralregierungen, öffentliche Finanzen, Infrastruktur, Structured Finance und Covered Bonds. Für Structured Finance und Covered Bonds allein wurden über 67.000 ESG.RS Einstufungen für 4.821 Transaktionen und Covered Bond-Programme veröffentlicht. Die ESG.RS Einstufungen drücken Relevanz und Bedeutung von 14 ESG-Faktoren für Structured Finance und Covered Bond-Ratings durch die Scoring-Definition aus. Durch die Vergabe von erhöhten ESG.RS der Kategorien ‚4‘ und ‚5‘ können Fitch-Analysten solche Faktoren kennzeichnen, die besonders relevant sind und daher Einfluss auf das Rating haben. Die ‚4‘ oder ‚5‘ Einstufungen können positiv oder negativ sein.

Unsere ESG.RS für Structured Finance Transaktionen und Covered Bond-Programme wurden entwickelt, indem über ein transaktions- bzw. programmspezifisches System individuelle Einstufungen für diejenigen Bonds vergeben wurden, die öffentlich nach der internationalen Ratingskala bewertet wurden. Die Einstufungen wurden unabhängig von Originatoren oder Emittenten vergeben und weichen in der Mehrheit der Fälle von den ESG.RS für die Originatoren bzw. Emittenten ab.