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Franz Rudolf
"... das Gesamtumfeld für Covered Bonds bleibt solide. In Zeiten volatiler Märkte (schneiden sie) tendenziell besser ab als andere Assetklassen."

Interview

5 Fragen an Franz Rudolf, UniCredit Bank AG

Christian Walburg

Christian Walburg

Verband deutscher Pfandbriefbanken

Wie sieht der erwartete Zeitplan der EZB nach der jüngsten Sitzung am 9. Juni aus?

Franz Rudolf

Franz Rudolf

UniCredit Bank AG

Die EZB hat angekündigt, dass die Nettokäufe von Vermögenswerten im Rahmen des APP am 1. Juli enden werden, und eine Anhebung um 25 Basispunkte auf der nächsten EZB-Ratssitzung am 21. Juli in Aussicht gestellt. Dies war nach Einschätzung unserer Ökonomen weitgehend erwartet worden. Die EZB ebnete jedoch auch den Weg für einen aggressiveren Kurs der geldpolitischen Normalisierung nach dem Sommer, da das Basisszenario der Zentralbank nun offenbar eine Anhebung um 50 Basispunkte im September vorsieht. Für die Zeit nach September hält der EZB-Rat “einen allmählichen, aber anhaltenden Pfad weiterer Zinserhöhungen für angemessen”. Unsere Volkswirte haben ihre Prognosen revidiert und gehen nun davon aus, dass die EZB die Zinsen bis März 2023 um 175 Basispunkte anheben wird, wobei sie für Juli eine Anhebung um 25 Basispunkte und für September eine Anhebung um 50 Basispunkte erwarten, gefolgt von Erhöhungen um 25 Basispunkte pro Sitzung bis zum nächsten März. Der Einlagensatz wird wahrscheinlich bei 1,25 % seinen Höchststand erreichen.

Christian Walburg

Christian Walburg

Verband deutscher Pfandbriefbanken

Am langen Ende sind die Renditen seit Anfang des Jahres stark gestiegen. Wie werden sich die Renditen weiter entwickeln?

Franz Rudolf

Franz Rudolf

UniCredit Bank AG

Unsere Volkswirte erwarten in den kommenden Monaten weiteren Druck auf europäische Staatsanleihen (EGBs), da die erhöhte Inflation die Aussicht auf eine noch straffere Geldpolitik am Leben erhält. Im weiteren Verlauf des Jahres werden die Wachstumssorgen im Vordergrund stehen und die Renditen nach unten treiben. UniCredit prognostiziert für 10-jährige Bundesanleihen eine Rendite von 1,75 % Ende 2022, mit einem vorübergehenden Höchststand von 2 % im dritten Quartal.

Christian Walburg

Christian Walburg

Verband deutscher Pfandbriefbanken

Welche Auswirkungen erwarten Sie von der jüngsten Ankündigung der EZB mit Blick auf Covered Bonds?

Franz Rudolf

Franz Rudolf

UniCredit Bank AG

Im Hinblick auf das angekündigte Ende der Nettokäufe im Rahmen des APP am 1. Juli erwarten wir keine wesentlichen unmittelbaren Auswirkungen auf Pfandbriefe und Covereds. Die Ankündigung war erwartet worden und war einer der Gründe, warum die Emission von Covered Bonds und Pfandbriefen in der ersten Jahreshälfte so stark war. Darüber hinaus ist der Umfang der fällig werdenden gedeckten Schuldverschreibungen im APP-Portfolio beträchtlich (41 Mrd. EUR im gesamten Jahr 2022, noch etwa 16 Mrd. EUR in der zweiten Jahreshälfte). Trotz der geringeren Rolle der EZB am Primärmarkt sehen wir sie weiterhin als einen stabilisierenden Faktor für den Covered Bond- und Pfandbriefmarkt.

Christian Walburg

Christian Walburg

Verband deutscher Pfandbriefbanken

8. Juli 2022: Das Ende der Übergangsfrist der europäischen Covered Bond Richtlinie CBD - wie lautet Ihre Prognose für Covered Bonds in Europa und weltweit?

Franz Rudolf

Franz Rudolf

UniCredit Bank AG

Wir erwarten eine reibungslose Umsetzung der Europäischen Covered-Bond-Richtlinie in die jeweiligen nationalen Gesetze. In den meisten Ländern verläuft dieser Prozess ohne größere Änderungen und beschränkt sich auf geringfügige Anpassungen und Ergänzungen der nationalen Gesetze . Ausnahmen sind Spanien und Österreich, wo jeweils ein völlig neuer Rechtsrahmen für die Emisision gedeckter Schuldverschreibungen eingeführt wurde. Aber auch hier erwarten wir die reibungslose Umsetzung. Der Covered Bond Markt insgesamt wird von der Harmonisierung der Emissionsgrundlagen in Europa profitieren, da er homogener und transparenter wird und eine noch höhere Ratingstabilität bietet. Dies wird die Eintrittsbarrieren für neue Kunden senken, was auf längere Sicht ein weiterer positiver Aspekt sein wird.

Seit Jahresbeginn haben wir 115 Mrd. EUR an gedeckten Eur-Benchmark-Anleihen gesehen. Wir hatten einen erheblichen Anstieg des Angebots im Vergleich zum Vorjahr in der Größenordnung von plus 30 % für das Gesamtjahr erwartet, aber der enorme Anstieg in den ersten sechs Monaten war noch stärker als von uns prognostiziert. Was das hohe Angebot im bisherigen Jahresverlauf in Europa betrifft, so waren die französischen und deutschen Banken führend, aber auch die österreichischen Banken waren sehr aktiv. Außerhalb Europas war vor allem Kanada sehr aktiv und übertraf unsere Erwartungen. Allein von kanadischen Banken wurden bisher mehr als 20 Mrd. EUR an Euro-Benchmark-Anleihen begeben, und es ist davon auszugehen, dass im zweiten Halbjahr 2022 noch mehr folgen werden.

Die Emissionstätigkeit in den ersten sechs Monaten war stark, da viele Emittenten die günstige und stabile Stimmung für gedeckte Schuldverschreibungen genutzt haben, um sich zu refinanzieren, auch unter dem Aspekt des Auslaufens von TLTRO III und der absehbar geringeren Beteiligung der EZB am Primärmarkt, deren Anteil von rund 40 % zu Beginn des Jahres allmählich auf rund 30 % zurückgegangen ist und im zweiten Halbjahr 2002 nicht mehr als 20 % betragen dürfte. Darüber hinaus haben die insgesamt höheren Renditen Covered Bonds als Neuanlagen attraktiver gemacht. Ein gutes Beispiel sind Pfandbriefe mit einer Laufzeit von 5-7 Jahren, die derzeit im Durchschnitt mit 2,2 % rentieren und damit einen Renditeaufschlag zu Bundesanleihen von plus 80 Basispunkten bieten.

Obwohl sich die Emissionsaktivität jüngst etwas verlangsamt hat und die Überzeichnung neuer Papiere nicht mehr so hoch ist wie im ersten Quartal des Jahres, gehen wir davon aus, dass das Gesamtumfeld für Covered Bonds solide bleibt und sie in Zeiten volatiler Märkte tendenziell besser abschneiden als andere Assetklassen.

Daher haben wir unsere Erwartungen für das Eur-Benchmark-Angebot an Covered Bonds für das Gesamtjahr 2022 auf 145 Mrd. EUR nach oben korrigiert.

Christian Walburg

Christian Walburg

Verband deutscher Pfandbriefbanken

2022 ist ein Rekordjahr für ESG-Pfandbriefe. War das erst der Anfang? Wird ESG das "new normal"?

Franz Rudolf

Franz Rudolf

UniCredit Bank AG

In der Tat hat der deutsche ESG-Pfandbriefmarkt in der ersten Jahreshälfte sowohl beim Volumen als auch bei der Anzahl der ESG-Benchmarks einen Rekord erzielt. Seit Jahresbeginn wurden fünf ESG-Benchmark-Pfandbriefe mit einem Gesamtvolumen von 3,75 Mrd. Euro von fünf Emittenten begeben. Zum Vergleich: Im Gesamtjahr 2021 waren es 2,75 Mrd. Euro von vier Emittenten. 2022 wurde nicht nur die höchste Anzahl an ESG-Pfandbriefen seit Beginn des Marktes im Jahr 2014 emittiert, sondern auch das höchste Angebotsvolumen unter den zehn Ländern, aus denen Banken ESG Covered Bonds emittieren.

ESG Covered Bonds und insbesondere ESG Pfandbriefe haben sich in den letzten fast 8 Jahren seit der Emission des ersten ESG Pfandbriefs zu einer eigenen Anlageklasse entwickelt. Obwohl das Gesamtvolumen der ESG Covered Bonds und Pfandbriefe im Vergleich zum gesamten Covered Bond Markt noch relativ klein ist, erwarten wir, dass immer mehr Emittenten aus einer wachsenden Anzahl von Ländern ESG Covered Bonds platzieren werden. Die Anlageklasse wird sowohl für Emittenten als Finanzierungsinstrument als auch für Investoren weiter an Bedeutung gewinnen, da sie die hohe Qualität und Sicherheit von Covered Bonds und Pfandbriefen mit Nachhaltigkeitsaspekten verbindet. Deutschland hat in den letzten Jahren seine führende Rolle in diesem Segment bewiesen und profitiert von seiner etablierten Stellung in dieser Assetklasse.

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